{"id":147,"date":"2013-02-24T14:05:52","date_gmt":"2013-02-24T12:05:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sophiamuender.de\/?p=147"},"modified":"2013-12-30T01:20:07","modified_gmt":"2013-12-29T23:20:07","slug":"mit-dem-smartphone-in-die-baumkrone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sophiamuender.de\/?p=147","title":{"rendered":"Mit dem Smartphone in die Baumkrone"},"content":{"rendered":"<p><b><i>Die Handy-Allesk\u00f6nner sind wahre \u201eAufmerksamkeits-Absorbierer\u201c, aber sie wecken auch eine Abenteuerlust ins uns, von der wir keinen blassen Schimmer hatten. <\/i>\u201eGeocaching\u201c, ist als die Outdooraktivit\u00e4t von Nerds verschrien, aber eine App macht die Schatzsuche jetzt f\u00fcr Jeden m\u00f6glich. Wie finde ich einen \u201eCache\u201c und wie f\u00fchlt es sich an, einen zu verstecken? Ein Selbstversuch.<\/b><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-182 alignnone\" title=\"Foto: Sophia M\u00fcnder\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.sophiamuender.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/smartphone-beitrag.jpg\" width=\"610\" height=\"290\" srcset=\"https:\/\/sophiamuender.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/smartphone-beitrag.jpg 610w, https:\/\/sophiamuender.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/smartphone-beitrag-300x142.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 610px) 100vw, 610px\" \/><\/p>\n<p><b><\/b>Diese Kreuzung ist meine Kreuzung. Jeden Tag laufe ich hier vorbei und ich kenne jeden Winkel &#8211; dachte ich zumindest. Der Verkehr rauscht in den Ohren, trotzdem versuche ich mich zu konzentrieren. \u00a0Seit einer halben Stunde gucke ich hinter jeden Busch und in jede Mauerritze.<\/p>\n<p>N 053* 34,178 O 010* 01,686. So lauten die GPS Koordinaten meines ersten Caches, der nur 500Meter von meiner Haust\u00fcr in Hamburg entfernt sein soll. Genau an meiner Stamm-U-Bahn-Station. Stand- und Zielort stimmen \u00fcberein. Aber wo ist das Versteck? Langsam werde ich ungeduldig. Der \u201eCache-Owner\u201c hat einen Hinweis gespeichert: \u201eIn ca. 13m H\u00f6he. No Risk. No fun. Eineurodreissig.\u201c<\/p>\n<p>Mein Objekt der Begierde muss sich auf der U-Bahn Br\u00fccke befinden. Mit den \u201eEineurodreissig\u201c ist wohl der Wert einer Bahnsteigkarte gemeint. Man kann aber nicht allen Informationen trauen \u2013 das Ticket kostet nur 30 Cent. Das Versteck muss \u00e4lter sein.. Die Suche ist mit einem Schwierigkeitsgrad von zwei angegeben. Wie kompliziert mag die Suche \u00a0dann bei \u00a0einem Schwierigkeitsgrad von f\u00fcnf sein? Kleine Plastikkapseln oder K\u00e4stchen dienen als Cache &#8211; wetterfest sollten sie sein. Auf der Br\u00fccke gleite ich mit meinen Fingern unter den Verstrebungen entlang. Und ja: Da ist was. Vorsichtig ziehe ich ein in graues Klebeband gewickeltes D\u00f6schen zwischen den St\u00e4ben hervor. Tats\u00e4chlich: Mein Herz klopft schneller. Ich bin aufgeregt wie fr\u00fcher bei der Schnitzeljagd.<\/p>\n<p>Es ist Freitagabend, 18 Uhr. Z\u00fcge fahren im Dreiminutentakt ein und der Bahnsteig ist voll von \u201eMuggeln\u201c. So hei\u00dfen bei Eingeweihten die Nicht-Geocacher. Ist das deren Ernst? \u201eMuggel\u201c wie die Nicht-Magier bei Harry Potter? Wie unkreativ, sich einfach bei bei einem Bestseller zu bedienen!\u00a0Beim \u00d6ffnen des Caches darf man nicht gesehen werden, ein eisernes Gesetz unter Schatzsuchern. Ich blicke mich um und f\u00fchle mich dadurch noch auff\u00e4lliger. Schnell \u00f6ffne ich das K\u00e4stchen und finde ein daumengro\u00dfes \u201eLogbuch\u201c. Ich trage mich in die Liste von Suchern ein und sp\u00fcre einen gewissen Stolz. Hier waren schon richtig viele. Bestimmt 50. Jeden Tag steige ich hier ein und aus. Schatzsucher sind mir hier noch nie aufgefallen.\u00a0Ein Magnet an der Dose sorgt daf\u00fcr, dass der Cache dort bleibt, wo er hingeh\u00f6rt. Ich schiebe ihn wieder in sein Versteck.\u00a0Mit dem Suchen und Finden habe ich sonst nicht so viel Gl\u00fcck. Selbst auf den simpelsten Strecken schaffe ich es, mich zu verlaufen. Ein echtes Erfolgserlebnis also.<\/p>\n<p>Bis 2000 wurde das Navigationssystem GPS nur f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke genutzt. Als Bill Clinton es dann f\u00fcr die Allgemeinheit freigab, ahnte er wohl nicht, dass das auch der Beginn von \u201eGeocaching\u201c sein w\u00fcrde, dem Hobby von mittlerweile fast vier Millionen Menschen, die weltweit auf Schatzsuche gehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_186\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-186\" class=\"size-full wp-image-186 \" title=\"Foto: Sophia M\u00fcnder\" alt=\"Cache an der Mundsburg\" src=\"http:\/\/www.sophiamuender.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Cache-beitrag.jpg\" width=\"290\" height=\"290\" srcset=\"https:\/\/sophiamuender.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Cache-beitrag.jpg 290w, https:\/\/sophiamuender.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Cache-beitrag-50x50.jpg 50w\" sizes=\"auto, (max-width: 290px) 100vw, 290px\" \/><p id=\"caption-attachment-186\" class=\"wp-caption-text\">Cache an der Mundsburg<\/p><\/div>\n<p>\u201eAuf dem Weg ins Theater schnell gehoben.\u201c, lese ich im Logbuch. Fr\u00fcher machte man sich mit einem s\u00fcndhaft teuren GPS-Ger\u00e4t auf die Suche, jetzt geht das mal einfach so zwischendurch.<\/p>\n<p>7,99 Euro kostet die \u201eGeocaching App \u2013 ein Groundspeakprojekt\u201c \u2013 der Gegenwert eines Kinobesuchs, der mir das \u201eSofort-Abenteuer \u2013 \u00fcberall\u201c verspricht. Mit ihr habe ich Zugriff auf knapp zwei Millionen sogenannte \u201eCaches\u201c \u2013 \u201eGeheime Lager\u201c. Meine Eintrittskarte in die\u00a0 \u201eGemeinschaft von Familien, Schatzsuchern und naturverbundenen Abenteurern\u201c, das zumindest verspricht mir die Beschreibung.<\/p>\n<p>Seitenwechsel: Jetzt m\u00f6chte ich selber einen Cache verstecken. Ein Marmeladenglas ernenne ich zu meiner Schatztruhe, aber was kommt hinein? Goldm\u00fcnzen aus Schoko-Kaubonbon d\u00fcrfen nicht fehlen \u2013 da meldet sich das Kind in mir. Au\u00dferdem ein Spruch: \u201eWir suchen niemals die Dinge, sondern das Suchen nach ihnen.\u201cDie Schatzsuche stimmt philosophisch. Und ein Brief an meine Caching-Kollegen mit der Aufforderung, einen anderen Begriff f\u00fcr \u201eMuggel\u201c zu suchen und diesen aufzuschreiben. Dann kommt noch das selbstgebastelte obligatorische Logbuch in das Glas &#8211;\u00a0 Papierstreifen, die mit einem Band zusammengehalten werden. Neben einem Baugrundst\u00fcck werde ich f\u00fcndig. Von der Betonmauer aus kommt man prima an die oberen \u00c4ste der B\u00e4ume. Mit einer dicken Schnur binde ich das Glas an einen Ast und taufe den Cache auf den Namen \u201eBienennest\u201c. Keiner bemerkt mich, wie ich den Stamm umklammernd in der Baumkrone h\u00e4nge. Alle \u201eMuggel\u201c gehen blicklos vorbei.<\/p>\n<p>Jetzt muss \u201eBienennest\u201c nur noch ver\u00f6ffentlicht werden. Aber die Geocaching-Seite weigert sich, meine Koordinaten zu erkennen und weist partout den \u201eTully Mountain\u201c in Irland als Ort meines Verstecks aus. Nein! Hamburg liegt nicht in Irland! Nach gef\u00fchlten drei Stunden in denen ich mir w\u00fcnsche, dass auch ich mit Nerd-\u00e4hnlichen F\u00e4higkeiten gesegnet w\u00e4re, gelingt es mir mit Hilfe eines Koordinaten-Converters, der Webseite klar zu machen, wo mein Cache zu finden ist.\u00a0Aber zu fr\u00fch gefreut. Am n\u00e4chsten Tag werde ich per Mail dazu aufgefordert \u201eBienennest\u201c zu verlegen, der Cache w\u00fcrde nicht den Mindestabstand von 160 Metern zu anderen Sch\u00e4tzen einhalten. \u201eViele Gr\u00fc\u00dfe aus dem Land zwischen den Meeren.\u201c Ja, danke auch. \u201eBienennest\u201c\u00a0 muss also umpositioniert werden, und dann kann es \u00a0bis zu einer Woche dauern, bis mein Cache ver\u00f6ffentlicht wird. Der Technik-Alptraum l\u00e4sst meine \u201eCache-Owner\u201c-Euphorie schwinden und meine Schokom\u00fcnzen vergammeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Handy-Allesk\u00f6nner sind wahre \u201eAufmerksamkeits-Absorbierer\u201c, aber sie wecken auch eine Abenteuerlust ins uns, von der wir keinen blassen Schimmer hatten.<br \/>\n\u201eGeocaching\u201c, ist als die Outdooraktivit\u00e4t von Nerds verschrien, aber eine App macht die Schatzsuche jetzt f\u00fcr Jeden m\u00f6glich. Wie finde ich einen \u201eCache\u201c und wie f\u00fchlt es sich an, einen zu verstecken? Ein Selbstversuch.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":148,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-147","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-print"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sophiamuender.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sophiamuender.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sophiamuender.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sophiamuender.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sophiamuender.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=147"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/sophiamuender.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":151,"href":"https:\/\/sophiamuender.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/147\/revisions\/151"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sophiamuender.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/148"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sophiamuender.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=147"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sophiamuender.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=147"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sophiamuender.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=147"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}